
Der Buchcover Award 2025 ist vorüber. Zeit, um einen Blick auf die Gewinner*innen und die Siegertitel zu werfen.

And the winners are …
Belletristik: Katharina Köller, Wild wuchern, Penguin – Gestaltung: Marion Blomeyer / Lowlypaper. Kinder- und Jugendbuch: Agi Ofner, Problemwölfe, Tyrolia – Gestaltung/Illustration: Agi Ofner. Sachbuch: Ute Behrend, Cowboys, Bummbumm Books – Gestaltung: Florian von Wissel.
Das volle Programm an gestalterischen Mitteln und drei Titel, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Steigen wir direkt mit der Jurybegründung zum Sieger*innentitel im Bereich Belletristik ein.

Der diesjährige Sieger*innen
»Wild wuchern« von Marion
Blomeyer / Lowlypaper.
»Dieses Cover hat uns überzeugt, weil Marion Blomeyer hier etwas ganz Besonderes gelungen ist: Sie zeigt uns das Gesicht einer Frau und damit ein Motiv, das auf unendlich vielen Covern zu sehen ist und dadurch leicht untergehen könnte … Nicht so hier: Denn es steht Kopf! Das irritiert zunächst, man bleibt hängen; fragt sich, wo sie hinschaut, wie das Buch heißt, wer es geschrieben hat … Und auch das ist wunderbar gelöst: Keine Typo „stört“ das Bild, sie „umrahmt“ es still und klar – und zwar in alle Richtungen. Man will und muss es geradezu in die Hand nehmen, es drehen und wenden. Womit der erste Schritt zum Buch getan ist. In dem Roman selbst geht es um zwei Frauen; es ist ein wilder Aufbruch ins Leben. Es ist poetisch, politisch, die Welt steht auf dem Kopf. All das ist wunderbar durch Typo und Motiv im Cover angedeutet. Jedoch auch die Schönheit und der Ausblick … Uns in der Jury hat das sehr überzeugt.«

Aufmerksamen Leser*innen ist vielleicht nicht entgangen, dass ich im vorangegangenen Post mit dem nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag einer Rubrik »Nach der Geburt getrennt« um die Ecke gekommen bin. Darin habe ich die Cover »Crushing« und »Wild wuchern« gegenübergestellt und mich gefragt, wieso manche Titel sich so ähnlich sehen. Die Mutmaßungen darüber habe ich gleich mitgeliefert. Wer nun aufmerksam dechiffriert, stellt fest, dass gute Gestaltung immer im Auge der Betrachterin oder des Betrachters liegt. In diesem Falle, meiner trüben Augen und daher »Wild wuchern« nicht mein Favorit war. Was mich nicht überzeugt, gilt eben noch lange nicht für den Rest der Jury. Die Juryentscheidung ist eben auch die Summe aller Stimmen. Mehrheit entscheidet. Letztendlich habe ich mich der Jury angeschlossen, weil Nurten Zeren 2025 wieder einen großartigen Entwurf ›rausgehauen‹ hat. Da die gute Nurten nicht immer gewinnen kann, wollen wir dieses Jahr lieber wild wuchern, als ins Haus zur Sonne zu ziehen. Man will sich ja nicht dem Vorwurf aussetzen, es würden immer die selben Leute gewinnen. Mehr zum Cover von »Haus zur Sonne« hier.
Unterwirf dich dem Problemwolf!

»Uns hat das künstlerische Gesamtkonzept dieser Covergestaltung auf Anhieb überzeugt. Auf den ersten Blick erfasst man das doppelbödige Thema dieses vielstimmigen Jugendromans, in dem die emotionalen Achterbahnfahrten der fünf Protagonist*innen in einem Thema münden: Der Wolf spaltet die Gesellschaft nicht nur in dem kleinen Bergdorf, er wirft einen riesigen Schatten, der von Klimakatastrophen, dem Verlust der Artenvielfalt und regionalen Traditionen erzählt. Die fünf Teenager sind die wahren Problemwölfe, die auf vielschichtige Weisen die gesellschaftlichen Umbrüche und Standpunkte spiegeln. Das in diesem Falle Text und Gestaltung aus einer Hand kommen, schenkt dem Cover eine Tiefe, die man auf den ersten Blick sofort spürt. Vielen Dank Agi Ofner für dieses Gesamtkunstwerk, das auch im Innenteil durch kreative Wolfsvertuschungen hält, was das Cover verspricht – und in einem superspannenden Plot multiperspektivisch und absolut gegenwärtig von den Problemen und Nöten von Jugendlichen im 21. Jahrhundert erzählt.«

Ähnlich wie beim vorangegangenen Entwurf in der Kategorie Belletristik ist mir die Entscheidung nicht leicht gefallen. Ein Blick auf die Shortlist reicht, um zu verstehen, warum. Letztendlich war es das starke Titelmotiv, welches den Inhalt auf eine subtile Art auf den Punkt bringt. Wie schon erwähnt, stammen Text und Illustrationen aus einer Hand, nämlich von Agi Ofner. Um ehrlich zu sein, war mein Favorit »Immerland« von Flix. Das Cover und die Gestaltung des gesamten Umschlages, hat mich an eine alte Ausgabe von Jules Verne aus den 1920er-JahKinder, die Schatten werfen. »Problemwölfe«, das Sieger*innen-Cover von Agi Ofner. ren erinnert. Neben der Tatsache, dass das Layout eben retroartig ist, haben mich die Darstellungen der fantastischen Elemente auf dem Cover in den Bann gezogen. Darüber hinaus sorgen Typografie, Illustration und Farbigkeit für Hingucker, machen neugierig und stimmen einen auf den fantastischen Inhalt ein. Aber auch hier habe ich mich gerne der Mehrheit gebeugt, um mich den Problemwölfen zu unterwerfen.
Alles eine Frage der Perspektive. Hauptsache nur nicht auf Augenhöhe!
Anders als beim Kinder- und Jugendbuch fiel die Wahl beim Sachbuch wirklich einstimmig aus, inklusive meiner Wenigkeit. Es musste das Cover von »Cowboys« werden. Erschienen ist das Buch des Gestalters Florian von Wissel im eigenen Verlag bei Bummbumm Books. Die sehr unterschiedlichen Titel in der Kategorie Kinder- und Jugendbuch. Cowboys, die in die Ferne starren. Die Perspektive schubst das Motiv direkt in Richtung überspitzten Machismo, die läppscheste ›Manspreader-Attitüde ever‹, – Hauptsache nicht auf Augenhöhe. Alles eine Frage der Perspektive, und diese macht den Sieger.

»Ein ungewöhnlicher Blick auf ein scheinbar altes Thema macht hier eines sofort klar: neu. Und das ist so ziemlich das effektivste Marketing, das es für ein Buch geben kann. Ein weiteres treffliches Mittel, das für Aufmerksamkeit sorgt: Humor. Damit ist sehr schlau eine Perspektive auf den Inhalt vorgegeben: kritisch, provokant und leicht. Relevante Aufklärung in Zeiten des neuen Cowboyrismus«, wie es treffend in der Jurybegründung heißt.
Die Perspektive schubst das Motiv direkt in Richtung überspitzten Machismo, die läppscheste ›Manspreader-Attitüde ever‹, – Hauptsache nicht auf Augenhöhe. Alles eine Frage der Perspektive, und diese macht den Sieger. »Ein ungewöhnlicher Blick auf ein scheinbar altes Thema macht hier eines sofort klar: neu. Und das ist so ziemlich das effektivste Marketing, das es für ein Buch geben kann. Ein weiteres treffliches Mittel, das für Aufmerksamkeit sorgt: Humor. Damit ist sehr schlau eine Perspektive auf den Inhalt vorgegeben: kritisch, provokant und leicht. Relevante Aufklärung in Zeiten des neuen Cowboyrismus«, wie es treffend in der Jurybegründung heißt.

Was nehmen wir mit? Es waren einmal wieder die einfachen Lösungen, die überzeugt haben. Das Bild auf dem Kopf, ein merkwürdiger Schattenwurf oder eben die besondere Perspektive. Natürlich kann das auch für alle nicht prämierten Bücher gelten. Wie gesagt, alles liegt im Auge des der Betrachterin und/oder des Betrachters und ist somit höchst subjektiv und bleibt anzweifelbar. Sie müssen wie immer nicht unserer Meinung sein. In diesem Sinne, Kopp in die Rinne.

Und hier noch ein paar Stimmen aus dem Internetz:
https://eichendorff21.de/dossier/die-schoensten-buecher
https://www.radioeins.de/programm/sendungen/sendungen/30/2602/260208_die_
literaturagenten_30778.html
https://www.tagesschau.de/kultur/buchcover-102.html
